Phase X  |  Die Erste

[Originalausgabe • 2006]

Versuche gab und gibt es viele, Erfolge sind selten. Die Rede ist von deutschsprachigen Zeitschriften und Magazinen, die sich mit Science Fiction und Fantasy, mit phantastischer Literatur beschäftigen. Und ebendies unternimmt Phase X auf gut einhundert Seiten im Format A5. Halbjährlich soll »Das Magazin für Phantastik« erscheinen, womit die Redaktion zeigt, dass sie die Marktverhältnisse kennt und wohl auch ihre eigenen Leistungsgrenzen richtig einschätzt - erst einmal das Mögliche anstreben, nach den Sternen greifen kann man dann später immer noch.

Blättert man Phase X durch, stellt man fest, dass es den Machern weniger um Aktualität, denn um Qualität zu tun ist. Die erste Ausgabe setzt sich mit dem Thema »Helden« auseinander und stellt in erster Linie klassische Fantasy-Autoren und Heldenfiguren vor. Auf eine allgemeine Einführung folgt - geradezu leitmotivisch - ein Artikel über den Ewigen Helden des Michael Moorcock, ergänzt durch ein aktuelles Interview mit dem Autor. Ein Essay über die Tradition des Antihelden in der Fantasy leitet über zu immerhin drei (!) Beiträgen über Fritz Leiber, speziell dessen Schurkenduo Fafhrd und der Graue Mausling, die bei der Edition Phantasia gerade in einer schönen Neuausgabe aufgelegt werden. In dieselbe Reihe von Rückblicken auf Fantasyklassiker gehört auch eine Würdigung von Robert E. Howard und dessen berühmtester Figur Conan.

Weiter geht es mit einem Artikel über den Magira-Zyklus des deutschen Autors Hugh Walker alias Hubert Strassl, der gerade bei Bastei neu erscheint. Damit ist ein Übergang zur zweiten Hälfte des Heftes geschaffen, denn diese widmet sich den vielfältigen Erscheinungen des phantastischen Helden in Comic- und Spielewelten. Besonders hervorzuheben ist dabei ein Beitrag über den Warhammer-Romanautor William King - einschließlich Interview - und ein schöner Essay über die Welt der ›Teenage Mutant Ninja Turtles‹.

Eröffnet der Howard-Beitrag eine »Phase X Hall of Fame«, widmet sich der erste Beitrag der Artikelfolge »Klassiker der Phantastik« kenntnisreich dem SF-Autor Alfred Bester. Erwähnenswert sind auch ein schöner Beitrag über das Berliner Shayol-Projekt (zu dem auch Pandora gehört) und eine Umfrage zu den »beliebtesten Verlagen des Fandom«, die mit einigen überraschenden Ergebnissen aufwartet.

Fazit: Phase X ist auf jeden Fall eine Bereicherung der deutschsprachigen Phantastikszene! Manche Beiträge hätten sicherlich noch einer stilistischen Überarbeitung bedurft, und selbst bei flüchtigem Lesen fällt mancher Fehler auf. Und warum steht am Ende jedes Textes »Redaktion: ...«, aber kein Autor am Anfang? Allerdings sollte man nicht aus den Augen verlieren, dass es sich bei diesem Magazin in erster Linie um ein Spaßprojekt handelt, für das die Redaktion ihre wertvolle Freizeit aufwendet.

Besonders hervorgehoben werden soll das sehr ansprechende und lesefreundliche Layout. Titelbild und Themenwahl zeigen, dass hier eine neue Generation von Fans auf den Plan tritt, die andere Schwerpunkt setzt als die alten Herren von beispielsweise Alien Contact, Nova oder phantastisch!. Dabei überrascht - und das kann gar nicht hoch genug gelobt werden - die Konsequenz, mit der eine Auseinandersetzung mit klassischen Büchern und Autoren angestrebt wird. In Phase X sind Leute mit einem ausgeprägten Geschichtsbewusstsein am Werk, und allein dafür haben sie unseren Dank verdient.

Deshalb soll diese Rezension durchaus als Aufruf zum Kauf dieser ersten Ausgabe angesehen werden - der Preis ist äußerst moderat und ein Erfolg des Projekts im Rahmen des Möglichen mehr als wünschenswert. Weiter so, Kollegen!

Hannes Riffel



Atlantis Verlag (Stolberg, 2006) | Paperback, 110 Seiten | Hrsg. von Christoph Weidler | Titelbild von Chris Schlicht