[The Centauri Device · 1975]
Die Centauri-Maschine ist ein Gegenstück zu den strahlenden und glänzenden sogenannten »Space Operas«. Das Weltall ist schmutzig, die Planeten noch schmutziger. Bei ihrer Expansion in die Galaxis sind die Menschen auf andere Intelligenzen gestoßen und haben diese ausgelöscht. Der Genozid an den Centauri hat ein einzelnes Artefakt hinterlassen, besagte Centauri-Maschine. An ihr sind nun die Israelische Weltregierung, die Vereinigten Arabischen Sozialistischen Republiken und die religiöse Sekte der Öffner brennend interessiert.
Aber nur der abgehalfterte Raumschiffkapitän John Truck besitzt als Centauri-Nachfahre die notwendigen Gene zur Bedienung der Maschine. Ob sich dahinter eine Waffe oder ein göttliches Instrument verbirgt, weiß jedoch niemand. Immer wieder wird Truck von der israelischen Generalin Alice Gaw, dem arabischen Colonel Gadaffi ben Barka und dem Öffner Grishkin bedrängt. Dabei scheuen sie nicht vor falschen Versprechungen, Bedrohungen und sonderbaren Argumenten zurück.
Der Unterhaltungswert von Die Centauri-Maschine ist gering, die Figuren wenig glaubwürdig und die Beschreibungen der Öffner, die »Sichtfenster« in ihre Körper einbauen, reine Satire. John Truck ist eine gescheiterte Persönlichkeit, die herumgeschubst wird und mit der sich die Leser noch nicht einmal zu identifizieren vermögen. Auch scheinen die Science-Fiction-Elemente keinen rechten Nutzen zu haben. Auf der anderen Seite weiß M. John Harrison durch seine Sprache zu fesseln und eine düstere Ästhetik, fast schon Poesie, einzubringen. Mögen muss man diesen dunklen Roman dafür aber noch lange nicht.
Harrisons Übernahme des israelisch-arabischen Konflikts der sechziger und siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts sticht besonders hervor. Die Ideologien befinden sich in einem Stellungskrieg, der sich längst zu einem galaxisweiten Abfallhaufen entwickelt hat. Vielleicht weniger zur Erklärung von Trucks Aktivierung der Centauri-Maschine, als vielmehr warum M. John Harrison den Roman verfasste, steht im Epilog: »Oder war er nur angewidert vom Wirklichkeitsverlust der damaligen Politik?«
Die Neuausgabe enthält ein Vorwort Adam Roberts, das zugleich eine Interpretation ist. Leser, die sich von der Geschichte überraschen lassen wollen, sollten deshalb das Vorwort zuletzt lesen. Roberts sieht Harrison die Grenzen konventioneller Pietät überschreiten und ihn den »völkermörderischen Impuls in der Logik (gerade) der modernen Gesellschaft« bzw. den Postmodernismus vorwegnehmen. Von daher mag Die Centauri-Maschine einer der ausdrucksstärksten Science-Fiction-Romane überhaupt sein.
Ulrich Blode

Heyne Verlag (München, 2003) | Taschenbuch, 300 Seiten | Vorwort von Adam Roberts | Deutsch von Hendrick P. und Marianne Linckens | Titelbild von Stefan Martinière