Endlich ist ein Menschheitstraum wahr geworden - ein bemanntes Raumschiff hat den Mars erreicht! Und im 21. Jahrhundert geht dergleichen natürlich nicht ohne umfassende mediale Berichterstattung vonstatten. Doch was haben die Astronauten auf dem roten Planeten vorgefunden? Und was bringen sie auf die Erde zurück ...?
Der erfolgreiche Abschluss der Mars-Mission der NASA im Jahre 2008 mit der sicheren Landung des Raumfahrzeugs Zeus IV auf dem Luftwaffenstützpunkt Edwards in Kalifornien bedeutete einen gewaltigen Triumph für die Organisation. Nach dem Scheitern des Shuttle-Projekts in den neunziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts war die gesamte Zukunft der NASA fraglich gewesen. Das Desinteresse der amerikanischen Öffentlichkeit am Raumfahrtprogramm in Verbindung mit beunruhigenden politischen Entwicklungen im ehemaligen Sowjetblock veranlassten den Kongress, die Mittel für die Raumfahrt zu kürzen. Nachfolgende amerikanische Präsidenten wurden von der Aufgabe abgelenkt, den Staatshaushalt auszugleichen, und ihre wissenschaftlichen Ratgeber waren längst zu dem Ergebnis gekommen, dass die Erforschung des Sonnensystems weitaus wirtschaftlicher mit unbemannten Sonden durchgeführt werden konnte.
Aber die Direktoren der NASA hatten immer gewusst, dass die wissenschaftliche Erforschung des Weltraums nur einen kleinen Teil der Existenzberechtigung der Organisation darstellte. Einzig und allein bemannte Flüge konnten die Phantasie der Öffentlichkeit beflügeln und die riesigen Etats garantieren, die für ihre Durchführung erforderlich waren. Der Triumph der Apollo-Landung auf dem Mond im Jahre 1969 hatte gezeigt, dass die Straße zum spirituellen Herzen Amerikas mit Dollarscheinen gepflastert werden konnte, aber im Jahr 2000 schien diese Straße für alle Zeiten gesperrt zu sein. Die Chefs der NASA kämpften um das Überleben der Organisation, sahen sich dazu herabgewürdigt, Dürregebiete im Mittelwesten mittels Satelliten zu kartografieren und standen vor der Bedrohung, ins Landwirtschaftsministerium integriert zu werden.
Die Organisation wurde jedoch in allerletzter Sekunde gerettet und erhielt die Mittel für ihr größtes Vorhaben. Als Peking am 1. Januar 2001 bekannt gab, dass ein chinesisches Raumfahrzeug auf dem Mond gelandet war, lief ein Schauer des Unbehagens durch die amerikanische Nation. Sicher, das Sternenbanner war mehr als dreißig Jahre früher auf dem Mond gehisst worden, aber dieses Ereignis lag in einem anderen Jahrhundert. Sollte das nächste Jahrtausend von den Völkern auf der asiatischen Seite des Pazifik beherrscht werden, die ihre riesigen Handelsüberschüsse auf spektakuläre Projekte verwendeten - Projekte, die für das nächste Jahrhundert von der Phantasie des Planeten Besitz ergriffen?
Während die Bilder der chinesischen Astronauten, die vor ihrem pagodenförmigen Raumfahrzeug - dem Tempel der Leichtigkeit - posierten, von den Fernsehbildschirmen der Welt übertragen wurden, erfolgte die Bekanntgabe, dass eine indonesische Besatzung und eine unbemannte koreanische Sonde in Kürze in der Nachbarschaft der Chinesen landen würden.
Ein ganz und gar nicht mehr schläfriger Präsident Quayle hielt, von alledem elektrisiert, eine Ansprache vor beiden Häusern des Kongresses. Innerhalb weniger Wochen bekam die NASA einen Etat in Höhe von mehreren Milliarden Dollar gewährt und erhielt den Befehl, ein Sofortprogramm anzustoßen, bei dem der Mond übersprungen und noch vor Ende des Jahrzehnts ein Amerikaner zum Mars gebracht wurde.
Wie immer stellte sich die NASA tapfer der Herausforderung der Steuerdollars. Ganze Armeen in die Jahre gekommener Weltraumingenieure wurden aus ihren Ruhestandsdomizilen in Florida geholt. Fünfzig zivile und militärische Testpiloten wurden in ein Ausbildungsprogramm für Astronauten gepresst. Innerhalb von zwei Jahren brach Zeus I, der unbemannte Prototyp des riesigen Raumfahrzeugs, das später eine fünfköpfige Besatzung transportieren sollte, von Cape Canaveral zu einem sechsmonatigen Aufklärungsflug auf. Es umkreiste den roten Planeten ein Dutzend Mal und suchte nach einem geeigneten Landeplatz, ehe es erfolgreich zur Erde zurückkehrte.
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Nach zwei weiteren unbemannten Flügen in den Jahren 2005 und 2006 startete im November 2007 Zeus IV und sicherte Präsident Quayle einen erdrutschartigen Sieg bei seiner dritten Wiederwahl, zu der die fünf Astronauten vom Flugdeck ihrer Raumkapsel aus gratulierten. Mittlerweile waren die chinesischen, indonesischen und koreanischen Mondflugprogramme vergessen. Die Augen der Welt waren auf die Zeus IV gerichtet und ihre fünf Besatzungsmitglieder bald berühmter als jeder Hollywood-Superstar.
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Die vollständige Erzählung von James Graham Ballard finden Sie ab März 2007 in der ersten Ausgabe von Pandora!
© 2007 by J. G. Ballard
© der Übersetzung 2007 by Jochim Körber
© der Illustration 2007 by Franz Miklis